Wissen & FAQ zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), Blindenwerkstätten & sozialen Manufakturen in Deutschland
Eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ist eine Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben. Sie richtet sich an Menschen, die aufgrund Art oder Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Ziel ist Rehabilitation, Qualifizierung, persönliche Entwicklung und eine möglichst selbstbestimmte Teilhabe.
Nein. Eine WfbM ist nicht primär gewinnorientiert, sondern eine Einrichtung der beruflichen Rehabilitation und Eingliederung. Im Mittelpunkt stehen Förderung, Begleitung und ein barrierearmes Arbeitsumfeld. Begleitende Dienste wie Sozialarbeit, Therapie oder medizinische Unterstützung können Teil des Konzepts sein.
WfbM werden über Rehabilitationsträger im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe (SGB IX) finanziert, insbesondere im Eingangsverfahren und im Berufsbildungsbereich. Zusätzlich erwirtschaften viele Werkstätten Einnahmen durch Aufträge, Dienstleistungen und den Verkauf eigener Produkte. Der wirtschaftliche Erfolg kann sich über Arbeitsentgelte auch auf die Beschäftigten auswirken.
Grundvoraussetzung ist in der Regel der Nachweis einer Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit. Außerdem müssen Beschäftigte ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit leisten können und es darf kein außergewöhnlich hoher Pflegebedarf vorliegen. Die genaue Eignung wird üblicherweise im Eingangsverfahren geprüft.
Typisch ist ein dreistufiger Weg: zuerst das Eingangsverfahren (oft rund 3 Monate) zum Kennenlernen von Arbeitsabläufen und zur Einschätzung von Stärken, danach der Berufsbildungsbereich (häufig Grund- und Aufbaukurs, jeweils bis zu 1 Jahr) und anschließend der Wechsel in den Arbeitsbereich mit einer passenden Tätigkeit.
Die Bandbreite ist groß. Häufig sind unter anderem Textil und Schneiderei, Holz und Tischlerei, Metallverarbeitung, Keramik, Kerzen, Papier und Buchbinderei, Gartenbau, Cafés, Kreativbereiche sowie Upcycling und Wiederverwertung vertreten. Zusätzlich übernehmen viele Werkstätten Lohn- und Auftragsarbeiten wie Verpacken, Sortieren oder Versand.
Soziale Manufakturen sind Werkstätten oder Betriebe, die mit und für Menschen mit Behinderung handwerkliche Produkte in guter Qualität herstellen. Neben Auftragsarbeiten entstehen oft auch besondere Eigenprodukte. Viele Artikel sind aufgrund der Handarbeit Einzelstücke oder Kleinserien und werden lokal sowie nachhaltig produziert.
Das Spektrum reicht von Keramik und Porzellan, Kerzen (auch aus Bienenwachs), Massivholz-Möbeln und Holzspielzeug über handgebundene Notizbücher, Kalender und Karten bis zu Textilprodukten, Upcycling-Taschen, Metallartikeln wie Feuerschalen sowie Naturseifen und Pflegeprodukten.
Blindenwerkstätten beschäftigen blinde oder stark sehbehinderte Menschen. In klassischen Blindenwerkstätten werden sogenannte Blindenwaren hergestellt, deren wesentlicher Herstellungsprozess auf der Arbeit blinder Menschen beruht. Personen ohne Sehbehinderung übernehmen dort in der Regel nur Hilfs- und Nebenarbeiten.
Blindenware sind Produkte, deren wesentlicher Herstellungsprozess maßgeblich von blinden Menschen geleistet wird. Traditionell wurden Blindenwaren mit einem Symbol gekennzeichnet, um echte Blindenware von irreführenden Bezeichnungen abzugrenzen. Heute sind für Werkstätten insbesondere die Regelungen im SGB IX maßgeblich, Blindenwerkstätten werden dort gesondert behandelt.
Typisch sind Besen, Bürsten, Handfeger, Schrubber, Reinigungsbürsten und Staubwedel. Außerdem werden Korb- und Flechtwaren, Webwaren wie Wolldecken, Handtücher oder Frottierware sowie Strickwaren und Seilwaren hergestellt. Häufig kommen Naturmaterialien wie Holz, Rosshaar, Kokos oder Pflanzenfasern zum Einsatz.
Blindenwerkstätten haben meist einen Träger, der den Betrieb grundsätzlich mitträgt. Zusätzlich erzielen sie Erlöse durch den Verkauf der Blindenwaren. Je nach Kostenstruktur können auch Spenden oder weitere Zuwendungen eine Rolle spielen.